Licht-Raum-Klang, Nachlese

Ein außergewöhnliches Kirchenkonzert erlebten die Besucher in der Schopflocher Johanneskirche. Unter dem Titel „Licht-Raum-Klang“ musizierten die Geschwister Doris und Stefan Lipka Musik von Mittelalter bis Moderne. Gesang, Hackbrett, Orgel, Harmonium und Akkordeon erfüllten den Kirchenraum von verschiedenen Orten aus mit Musik. Die Lichtinstallation von Martin Wünsche und Jens Winkle nahm die Klänge auf, ergänzte sie und kommentierte sie eindrucksvoll. Die Musik orientierte sich am Kirchenjahr, von Advent bis zum Ewigkeitssonntag im November. Zu Beginn bewegte sich Doris Lipka mit dem mittelalterlichen Hymnus „Von anegang der sune klar“ durch die dunkle vollbesetzte Kirche, die allmählich in warmem Gelbgold zu strahlen begann. Der Gregorianische Choral zum Weihnachtsfest „Puer natus – Ein Kind ist uns geboren“ erklang von den gegenüberliegenden Emporen: die gesungene mittelalterliche Melodie wurde improvisatorisch unterbrochen und weitergeführt vom Akkordeon – leise und sphärisch bis kräftig im überschwänglichen Jubel. Auch die historische Gruol-Orgel von 1809 präsentierte sich vielseitig: als sanftes oder klangsattes Begleitinstrument für Gesang und Hackbrett, mit den silbrigen Tönen des romantischen Quintatön-Registers, in einem fulminanten Feuerwerk aus Klang und Licht zur österlichen Auferstehung. Da das Instrument mit nur einem Manual die Auswahl geeigneter Orgelmusik doch einschränkt, experimentierten die Musiker überzeugend mit Bearbeitungen und Effekten: rascher Registerwechsel für Echowirkungen, Stimme oder Hackbrett übernahmen eine besonders hervorgehobene Melodie eines Orgelwerkes, den cantus firmus. Nicht fehlen durften die Glasglocken des Schopflocher Zimbelsterns – der zarte Verweis auf das Paradies, dessen Tür durch die Geburt Jesu wieder aufgeschlossen wurde. Die klangliche und dynamische Breite des Harmoniums zeigte Stefan Lipka mit dem „Perger Präludium“ von Bruckner: mit eifrigem Pumpen durch die Füße und dem Einsatz der Kniehebel entwickelte sich der Klang vom leisesten Säuseln zum durchdringenden Fortissimo, konnte der Klang auf einem Ton anschwellen und wieder fast unhörbar werden.

Zum besonderen Genuss aber wurde das Konzert durch die Lichtregie: ein Farbenfeuerwerk zu den Osterklängen, tiefe Blautöne, Lichtakzente, Bildprojektionen zu den Musikstücken und eindrucksvolle Bildbearbeitungen: zu Spirituals über Johannes den Täufer verwies die Täufergestalt vom Isenheimer Altar mit dem langen Zeigefinger auf das in flammenden Farben erstrahlende Schopflocher Altarkreuz. Und zu Pfingsten erinnerte ein projezierter Blütenregen an den barocken Brauch, aus dem Heilig-Geist-Loch in der Kirchendecke Rosenblätter auf die Gemeinde rieseln zu lassen im Gedenken an die Feuerzungen, die auf die Jünger kamen.

Zwischen der Musik stellte Pfarrerin Frida Rothe die besonderen Ausstattungsstücke der Schopflocher Kirche, Taufstein, Kreuz, Kanzel, Altar in Bezug zu den Musikstücken und zum gottesdienstlichen Leben der Gemeinde.

Da alle Beteiligten auf Honorar, Fahrtkosten und Leihgebühr für die Technik verzichteten, kamen die Spenden ganz der Kirchenrenovierung zugute. Die fingerbreiten Risse in der Nordost-Ecke der Kirche mahnten deutlich an die Dringlichkeit, auch wenn es der begutachtende Statiker mit Humor versuchte: Die Kirche hält, auch wenn die Ecke rausbrechen sollte …

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